Wichtiger Sieg nach Trainerentlassung

28. November 2018
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26.11.2018, Von Horst Jenne

Nervenstarker Timo Wolf rettet in der Schlusssekunde das 29:28 des TSV Zizishausen

Die Oberliga-Handballer des TSV Zizishausen haben nach der Trainerentlassung von Vasile Oprea eine gute Reaktion gezeigt. Gestern Abend besiegten die „Schnaken“ nach einem Handballkrimi den TuS Steißlingen in der Schlusssekunde mit 29:28 und landeten damit einen überaus wichtigen Sieg.

Durch diesen Erfolg überholte der TSVZ den Gegner, weist nun ein ausgeglichenes Punktekonto auf und verschaffte sich Luft zu den hinteren Tabellenregionen. Den Zweier rettete Timo Wolf quasi mit dem Abpfiff. Der Kapitän verwandelte einen Siebenmeter mit Nerven wie breite Nudeln. „Ich hatte schon einen erhöhten Puls, als ich zum Strafwurf antrat. Aber ich war mir sicher, dass ich den reinmache“, sagte der Schütze des goldenen Tores freudestrahlend. Der Erfolg gegen einen direkten Konkurrenten sei in der momentanen Situation Gold wert.

Wolf hatte nach dem Rauswurf von Oprea vor wenigen Tagen das Training und die Spielvorbereitung übernommen. Das sei aber keine Dauerlösung, meinte der Spielführer, er erwarte für Januar einen neuen Trainer. Das Coachen übernahmen gestern Co-Trainer Zeljo Klaric und der sportliche Leiter Alexander Himpel. Nachdem Letzterer vergangenen Donnerstag über die Gründe der Trainerentlassung das Mäntelchen des Schweigens hüllte, wurde er nach dem Schlusspfiff gestern Abend konkreter. Dabei deutete er an, dass die Chemie zwischen Mannschaft und Oprea nicht mehr gepasst habe.

„Die Spieler haben in den zurückliegenden Begegnungen die wesentlichen Entscheidungen getroffen und wichtige Impulse gesetzt“, so Himpel, „außerdem hatte die Trainingsintensität nachgelassen. Zuletzt wurde trainiert wie in der Bezirksliga.“ Dennoch verabschiedete er den geschassten Coach mit einem Dankeschön. „Ich schätze Vasile und bin ihm dankbar für die Arbeit, die er bei uns gemacht hat.“

Hintergründe zum Oprea-Aus werden konkreter

Während sich Abteilungsleiter Matthias Reinl unwissend über die Gründe der Trainerentlassung zeigte („Ich weiß gar nix“), war von Insidern Kritik an Oprea zu hören. Der Rumäne habe bei Auszeiten manchmal teilnahmslos dabeigestanden und alle seine Schützlinge generell mit „Hey Junger“ angeredet. Zudem hätten die Akteure und nicht er die Taktik vorgegeben.

„Ich bin angetan, wie das Team auftritt und wie gewechselt wird“, meinte Julian Baum gestern zur Halbzeitpause. Zur Trainerentlassung speziell wollte der verletzte Torjäger nichts sagen. Nach seinem Kreuzbandriss wird er am Mittwoch am Knie operiert. Mit einem Einsatz in dieser Saison ist nicht mehr zu rechnen. Seine Kollegen im Rückraum vertraten ihn im Treffen gegen Steißlingen bestens. Vor allem Maximilian Schmid-Ungerer, der nach dem Seitenwechsel mit vier Toren in Folge auftrumpfte. Zwei weitere Treffer steuerte er zum Sieg bei. Cornelius Maas war sieben Mal erfolgreich, Wolf traf fünf Mal ins Schwarze.

Bestnoten verdiente sich auch Kai Augustin. Der Torhüter bot hauptsächlich in der ersten Hälfte eine überragende Vorstellung. Er parierte nicht nur zwei Siebenmeter, sondern entschärfte auch mehrere hundertprozentige Chancen des Gegners. Nicht zuletzt dem Schlussmann hatten es die Gastgeber zu verdanken, dass sie mit 14:13 in die Kabine gingen.

In der 44. Minute führte der TSVZ mit 23:20. Doch der Vorsprung schmolz schnell wieder, sodass es zu einer hoch spannenden Schlussphase kam. Zwei Minuten vor Ende erzielte Matthias Götz das 28:27. Anschließend erhielt Maas eine Zeitstrafe und Torhüter Benjamin Hauptvogel wehrte einen Wurf von Timo Ströhle ab. Wer von den 300 Zuschauern in der Theodor-Eisenlohr-Halle gedacht hatte, jetzt sei die Entscheidung gefallen, der musste sich eines Besseren belehren lassen. Dominic Gotthardt verlor leichtsinnig den Ball.

Dieses Geschenk nahmen die Gäste dankend an und glichen zum 28:28 aus. Sekunden vor dem Abpfiff gab TuS-Spieler Ströhle den Ball nicht rechtzeitig her und kassierte wegen Zeitverzögerung die Rote Karte. Konsequenz dieser neuen Regel: die Schiedsrichter Mengesdorf/Tieg entschieden auch noch auf Siebenmeter. Der Rest ist bekannt. Steißlingens Trainer Jonathan Stich war stinksauer, hatte sich aber ein paar Minuten später wieder beruhigt: „Heute haben wir alles gesehen, was den Handballsport so faszinierend macht.“

TSV Zizishausen: Augustin, Hauptvogel; Minsch, Friessnig, Wolf (5/1), Reinl (1), Schmid-Ungerer (6), Götz (4), Grau, Fröhlich, Maas (7/1), Fuchs (4), Gotthardt (2).

TuS Steißlingen: Walter, Leon Sieck (1); Biedermann (1), Euchner (5), Klotz (1), Lindner (3), F. Maier (1), S. Maier (1), Rothkirch (2), Lennart Sieck, Ströhle (4/1), Wangler (6/1), Wildöer (3).

Schiedsrichter: Mengesdorf/Tieg (Wiesloch).

Zuschauer: 300.

Rote Karte: Ströhle (TuS, 60. wegen Zeitverzögerung).

Zeitstrafen: Wolf, Grau, Maas.

Siebenmeter: 3/2 (Wolf scheitert an Leon Sieck) – 5/2 (Euchner und Ströhle scheitern an Augustin).

 

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