TSV Zizishausen trennt sich überraschend von seinem Trainer

9. Oktober 2017
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Bericht der Nürtinger Zeitung,

07.10.2017, Von Jens S. Vöhringer

Das war’s: Holger Breitenbacher ist nicht mehr Trainer beim Handball-Württembergligisten TSV Zizishausen. Der Schritt kommt ziemlich früh in der Saison, Breitenbachers dritter bei den „Schnaken“ – und nicht nur für Außenstehende äußerst überraschend. Am Mittwoch bekam der 47-Jährige seine Entlassung mitgeteilt. Sein Nachfolger heißt Georgios Chatzigietim.

Manche Sachen passen, andere weniger. Die Liaison zwischen TSV Zizishausen und Holger Breitenbacher schien eher dem ersten Punkt zu entsprechen – seit Mittwoch ist sie aber trotzdem Vergangenheit. Einmal noch, heute Nachmittag, werden sich die beiden Parteien zusammensetzen. Um Sportliches wird es dabei eher nicht gehen, mutmaßte der geschasste Trainer gestern Abend. Dafür aber darum, anständig auseinanderzugehen. Ein sauberer Abschied also, eine Trennung im Guten. Ob es das nach dieser turbulenten Woche überhaupt geben kann, bleibt abzuwarten, und sicher ein Geheimnis, das alle Beteiligten der Öffentlichkeit vorenthalten werden.

„Das war eine Entscheidung, die uns extrem schwergefallen ist“, Marcel Bosch, technischer Leiter des TSVZ

Zu überraschend kam letztlich die Entscheidung. Der mittlerweile Ex-Coach bekam sie am Mittwochnachmittag per Telefon von Zizishausens Abteilungsleiter Matthias Reinl mitgeteilt. Wenige Stunden zuvor gab er im Gespräch mit unserer Zeitung noch wie jede Woche Auskunft zum Auswärtsspiel heute Abend bei der SG Herbrechtingen/Bolheim. Ab 19.30 Uhr wird da dann aber nicht mehr „Breitzke“ die Kommandos geben, sondern sein Nachfolger Georgios Chatzigietim.

Der Kreisläufer übernimmt damit zum dritten Mal auch das Traineramt bei den „Schnaken“ und soll sie nach der ersten Saisonniederlage vor einer Woche (23:25 bei der HSG Langenau/Elchingen) wieder in die Erfolgsspur zurückbringen. „Wichtig wird sein, die Köpfe frei zu bekommen und Selbstbewusstsein zu tanken“, beschreibt der 32-Jährige seine ersten Aufgaben. Nach einigen Stunden Bedenkzeit hatte Chatzigietim Mitte der Woche den Zizishäuser Verantwortlichen schließlich zugesagt, zunächst bis Ende der Saison das Traineramt zu übernehmen. Der Verein ist damit eine Sorge los, auch wer Co wird, soll in Kürze feststehen. Abteilungsleiter Reinl schwebt dafür ebenfalls „eine interne Lösung“ vor.

Insgesamt waren es natürlich keine leichten Tage für alle Beteiligten, verrät der technische Leiter Marcel Bosch. Zusammen mit seinen drei Vorstandskollegen war er nach dem eher durchwachsenen Rundenstart mit knappen Siegen und besagter Niederlage des wieder einmal mit höchsten Ansprüchen in die Saison gestarteten TSV in Klausur gegangen. Das Ergebnis: Die Mannschaft müsste mehr können. „Es war kein Fortschritt zu sehen“, meint Bosch und stand mit dieser Ansicht nicht alleine. „Das spielerische Element fehlt“, fügt Reinl an. Dennoch sieht er die Schuld nicht alleine beim Trainer, sondern nimmt auch die Mannschaft in die Pflicht, die es sich seiner Meinung nach ab und an viel zu einfach gemacht hat. Der frühere Bundesligaspieler hat jedenfalls auch in Zizishausen einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

„Das war ein schwieriger Schritt, eine Entscheidung, die uns extrem schwergefallen ist“, beschreibt Bosch, „aber am Ende zählen eben die Ergebnisse.“ Die waren ja rein vom Papier her gut, aber es seien eben auch nicht unbedingt Spiele gegen die Top-Teams der Liga gewesen, meint Reinl. Auch Breitenbacher haben die Zizishäuser diese Gründe genannt, der frühere Kapitän des VfL Pfullingen kann den Entschluss trotzdem nicht recht nachvollziehen. „Es gibt in dieser Liga kein stark und schwach, das zeigen die Ergebnisse Woche für Woche“, sagt er. Das klar formulierte Saisonziel Aufstieg sah er stets in Reichweite.

Außerdem sieht er große Fortschritte in der Verteidigung. „Im Defensivbereich sind wir deutlich stärker geworden.“ Dafür, dass spielerisch zuletzt nicht immer alles glatt lief, macht er auch die eher schwache Trainingsbeteiligung in der Vorbereitung verantwortlich. Die lag gerade einmal „bei 60 Prozent“. Sicher keine optimale Voraussetzung, zumal die „Schnaken“ in den rund zweieinhalb Jahren seiner Regentschaft stets von schweren Verletzungen gebeutelt waren. Und dennoch waren sie sportlich erfolgreich. Platz drei in Breitenbachers erster, Rang zwei in seiner zweiten Saison lautete die Ausbeute. Nach vier Spieltagen waren sie bis gestern Abend zusammen mit dem TSV Wolfschlugen punktgleich Zweiter, „ich hätte gerne mit der Mannschaft weitergemacht und die Früchte getragen“.

Die könnte nun Chatzigietim ernten, was seinen Vorgänger durchaus freuen würde. „Ich gehe ja nicht im Bösen und habe mich sehr wohl beim TSV gefühlt. Ich traue Zizishausen auch ohne mich den Aufstieg zu“, sagt der Reutlinger und macht noch einmal deutlich: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen und bereue keinen Tag, den ich nach Nürtingen gefahren bin.“ Heute wird er diesen Weg in Sachen TSV Zizishausen ein letztes Mal auf sich nehmen. Wie es dann weitergeht, darüber hatte der B-Lizenz-Inhaber noch keine Zeit nachzudenken. „Ich denke aber schon, dass ich dem Handball erhalten bleibe.“

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