Bericht der Nürtinger Zeitung

30.09.2019, Von Reimund Elbe

TSV Zizishausen – TSV Neuhausen 25:47

Demütigung, Debakel, Demonstration: Worte, die ungefähr das beschreiben, was dem TSV Zizishausen gestern Abend in der Theodor-Eisenlohr-Halle widerfuhr. Das 25:47 (13:23) gegen den Nachbarn Neuhausen bescherte den Gastgebern neben der Niederlage auch zwei Negativrekorde.
Für die Anhänger aus der Fasnetshochburg fühlte sich dieser 29. September an wie der 11.11. – aus dem gesteigerten Frohsinn plus Applaudieren kamen die rund 120 Fans der „MadDogs“ unter den rund 500 Zuschauern kaum heraus. „Wir haben heute am Limit gespielt, das war High End“, schwärmte Neuhausens Trainer Markus Locher noch Minuten nach Spielende vom beeindruckenden Auftritt seines Teams. Es gebe Tage, da laufe „einfach alles“.

In der Tat verwandelten die Gäste das mit Hochspannung erwartete Nachbarschaftstreffen zügig zu einem der einseitigen Sorte. Sie arbeiteten absolut konzentriert in der Defensive und im Spielaufbau, agierten bei Ballbesitz zudem variantenreich und zielstrebig, die vorhandene Schusspräzision (bei einer verschwindend geringen Anzahl von Fehlwürfen) machte des Trainers Maximalerlebnis perfekt. Unrund der Gang dagegen von Beginn an bei den Gastgebern. Mit zwei Fehlwürfen gestartet, geriet der TSV Zizishausen trotz Überzahl in Rückstand. Nach fünf Minuten stand es 0:4, nach einer Viertelstunde 6:14. „Die ersten 15 Minuten waren wir nicht wettbewerbsfähig“, kommentierte Trainer Florian Beck zerknirscht das Agieren des Teams gegen den gut organisiert wirkenden Drittliga-Absteiger. Seine Akteure wirkten phasenweise überfordert mit dem von den Gästen angeschlagenen Tempo.

„So etwas habe ich selten erlebt“, kommentierte Neuhausens Sechsfach-Torschütze Philipp Keppeler den Highspeed-Schleudergang, in den sein Filderteam die „Schnaken“ gnadenlos schickte. Für den langjährigen Unterensinger Spieler war der Sieg über den einstigen Erzrivalen TSVZ nach eigenem Bekunden zudem „der besondere Tick obendrauf“. Aber Keppeler zeigte auch Verständnis für den Gegner und dessen Probleme. Die Verletzungen von Timo Wolf und Mark Reinl seien für ein Team „schwer wegzustecken“.

Für Zizishausens Coach, die Mannschaft sowie das heimische Publikum kam es derweil im Laufe der Partie noch dicker. Zwei Negativrekorde wackelten und fielen. Gerade einmal 21 Minuten waren vorbei, als bereits der 20. Treffer für die „MadDogs“ fiel und zwei Aspekte immer mehr in den Vordergrund rückten: Eine womöglich höchste Niederlage in der TSVZ-Oberligageschichte sowie die meisten Gegentore seit dem Aufstieg 2018. Beide Marken durchbrachen die „Schnaken“ nahezu ungebremst. 22 Treffer Unterschied gab es noch nie für den TSVZ im Oberhaus, ebenso wenig wie 47 Gegentore.

Trainer Beck sprach nach der Begegnung mit einem Anflug von Galgenhumor: „Auch so eine hohe Niederlage ergibt nur zwei Minuspunkte“. Auf den Chefcoach kommt erstmals in dieser Runde ganz erhebliche moralische Aufbauarbeit zu. Er zeigte sich freilich sicher, dass das Team „nicht in ein tiefes Tal fällt“. Einer der ganz besonders stark Gebeutelten bei der Zizishausener Pleite versuchte sich ebenfalls in Optimismus. „Neues Spiel, neues Glück“, sagte Torwart Benjamin Hauptvogel im Hinblick auf das kommende Match am kommenden Samstag. Der Gegner? Spitzenreiter SG Pforzheim/Eutingen, gestern 26:18-Sieger gegen die TSG Söflingen. Der nächste Schleudergang droht. 89 Gegentore in zwei Spielen bieten zumindest aktuell keine Hilfe für Gegenargumente.

TSV Zizishausen: Hauptvogel (1), Breuning; Grote (4). Grusauskas (3), Nothdurft, Muckenfuß, Götz (2), Kania (5/3), Wurster, Maas (7/1), Weber (1), Fuchs (1), Gotthardt (1).

TSV Neuhausen/Filder: Becker, Prauß (1), Durst (13/3), Letzgus (2), Pabst (1), Hipp (5), Fleisch (3), Grundler (6), Reinhardt (1), Roos (4), Sommer (5); Keppeler (6).

Siebenmeter: 6/4 (Kania scheitert an Torwart Becker, Maas an Torwart Prauß) – 3/3.

Schiedsrichter: Müller/Schmidt (Eltingen).

Zuschauer: 500.